Gepäckaufgabe

Blog · Für dich als Führungskraft

Im Meeting nicke ich. Danach ärgere ich mich. Coaching für Führungskräfte zwischen den Stühlen

Von oben Vorgaben, von unten Erwartungen. Du weißt, was du denkst, und sagst es nicht. Wie echte Stühle im Raum helfen, Position zu beziehen.

Anlass: Zwischen den StühlenMethode: Externalisieren mit StühlenLesezeit: 5 Minuten

Zwischen Chefin und Team: Nicken in der Führungsrunde

Dienstag, 10:00 Uhr. Die Folie heißt „Neue Präsenzregel“. Ab nächstem Monat drei Tage pro Woche im Büro. Für alle. Ohne Ausnahme.

Jens denkt sofort an sein Team. An den Kollegen mit dem langen Pendelweg. An die Kollegin, die gerade erst wegen der Flexibilität zugesagt hat. An das Versprechen, das er selbst im Frühjahr gegeben hat: „Bei uns bleibt das, wie es ist.“

Seine Chefin fragt in die Runde: „Gibt es dazu Fragen?“

Er nickt. Sagt: „Passt.“

Um 14 Uhr sitzt er im Teammeeting. Er verkündet die Regel. Er erklärt sie. Er verteidigt sie sogar ein bisschen. Mit Argumenten, die ihn selbst nicht überzeugen. Das Team schaut ihn an. Der Blick sagt: Du hast gerade die Seiten gewechselt.

Auf dem Heimweg führt er das Gespräch mit seiner Chefin noch mal. Diesmal sagt er alles. Laut. Im Auto.

Was dahintersteckt

Mittleres Management heißt: Du sitzt zwischen den Stühlen. Von oben kommen Vorgaben, von unten Erwartungen. Beide Seiten haben gute Gründe. Und beide erwarten, dass du auf ihrer Seite stehst. Drei Muster begegnen mir dabei im Coaching für Führungskräfte immer wieder.

Loyalität in zwei Richtungen

Du willst eine gute Führungskraft sein. Für dein Team. Und du willst verlässlich sein. Für die Führungsebene. Beides ist richtig. Beides gleichzeitig fühlt sich manchmal an wie Tauziehen, bei dem du das Seil bist.

Das Nicken ist schneller als der Gedanke

Im Meeting geht alles schnell. Die Folie, die Frage, die Pause, das Nicken. Widersprechen braucht Vorbereitung. Und Mut. Und ein Argument, das nicht nach Gejammer klingt. Also bleibt es beim Nicken. Der Gedanke kommt später. Leider zuverlässig.

Die eigene Position fehlt auf der Karte

Wenn du an die Situation denkst, siehst du Chefin und Team. Erstaunlich oft fehlt eine Person in diesem Bild: du selbst. Nicht als Bote zwischen zwei Seiten, sondern als jemand mit eigener Meinung. Was denkst du eigentlich über die Präsenzregel? Die Frage ist überraschend schwer zu beantworten, wenn man sich jahrelang nur als Vermittler gesehen hat.

Die Methode: Externalisieren mit Stühlen

„Zwischen den Stühlen“ nehme ich wörtlich. Wir stellen die Stühle in den Raum. Einen für jede Seite, die an dir zieht. Und einen für dich.

Externalisieren heißt: Was in deinem Kopf durcheinandergeht, steht plötzlich vor dir. Du kannst es anschauen, umstellen und dich daraufsetzen. Das schafft Abstand. Und Abstand schafft Klarheit, die im Kopf allein selten entsteht.

Wichtig ist der Unterschied zur Arbeit mit inneren Anteilen. Hier geht es nicht um die Stimmen in dir. Hier geht es um die Erwartungen von außen. Und um deinen Platz dazwischen.

So läuft es ab

1. Eine Situation wählen. Nicht „mein Job allgemein“, sondern ein konkreter Moment. In unserer Szene: die Führungsrunde mit der neuen Präsenzregel.

2. Die Stühle bestimmen. Wer sitzt mit am Tisch? Hier: die Chefin, das Team. Manchmal kommt noch etwas dazu, zum Beispiel die Kundschaft oder die Personalabteilung. Jede Seite bekommt einen Stuhl. Dazu kommt einer für dich.

3. Die Stühle stellen. Du stellst sie so in den Raum, wie die Situation sich anfühlt. Wie weit stehen sie auseinander? Wohin schauen sie? Viele stellen ihren eigenen Stuhl genau in die Mitte. Mit dem Rücken zu einer der beiden Seiten.

4. Die Seiten zu Wort kommen lassen. Du setzt dich auf den Stuhl der Chefin. Und sprichst aus ihrer Sicht. Was willst du von deiner Führungskraft? Was befürchtest du, wenn diese Führungskraft widerspricht? Dann wechselst du auf den Stuhl des Teams. Gleiche Fragen. Oft hört man dabei etwas, das man im Alltag nie gehört hat: „Wir erwarten gar nicht, dass du die Regel kippst. Wir wollen nur wissen, wo du stehst.“

5. Auf den eigenen Stuhl zurück. Wie fühlt es sich an, hier zu sitzen? Was spürst du, wenn du zur Chefin schaust? Was, wenn du zum Team schaust?

6. Von außen draufschauen. Du stehst auf und schaust dir das Bild von außen an. Was fällt dir auf? Was ist der Abstand zwischen den Stühlen? Und wo ist eigentlich dein Platz?

7. Umstellen. Jetzt darfst du den eigenen Stuhl bewegen. Raus aus der Mitte. Vielleicht ein Stück zur Seite, sodass du beide Stühle sehen kannst. Vielleicht näher an eine Seite. Du probierst, bis es stimmt. Die meisten merken: Ein guter Platz ist selten genau dazwischen.

Skizze von oben: links der Stuhl der Chefin, rechts der Stuhl des Teams, der eigene Stuhl rückt aus der Mitte an einen Platz, von dem aus beide Seiten sichtbar sind

Ein guter Platz ist selten genau dazwischen.

8. Den Satz finden. Vom neuen Platz aus formulierst du, was du im nächsten Gespräch sagst. Zum Beispiel: „Ich trage die Entscheidung mit. Ich sehe aber zwei Probleme für mein Team und möchte mit dir über Ausnahmen sprechen.“ Den Satz sagst du einmal laut, in Richtung des Chefinnen-Stuhls. Klingt banal. Ist es nicht. Der Satz war damit schon einmal draußen.

9. Auflösen. Am Ende stellen wir die Stühle zurück. Das Bild nimmst du im Kopf mit.

Dauer: etwa 45 bis 60 Minuten. Material: ein paar Stühle, etwas Platz. Das Gespräch mit der Chefin bereiten wir danach konkret vor.

Was danach anders ist

Du kennst deine Position. Nicht die der Chefin, nicht die des Teams. Deine. Das klingt selbstverständlich. Für viele ist es die eigentliche Entdeckung.

Du nickst langsamer. Im nächsten Meeting merkst du den Moment, bevor das Nicken kommt. Manchmal reicht dann ein Satz wie: „Dazu habe ich noch eine Frage.“ Mehr braucht es oft nicht, um nicht als Bote dazusitzen.

Du kannst beide Seiten vertreten, ohne dich zu verbiegen. Loyalität heißt dann nicht mehr: alles gut finden. Sondern: offen sagen, was du denkst, und trotzdem mittragen, was entschieden ist. Das Team merkt den Unterschied sofort. Die Chefin übrigens auch.

Der Heimweg wird ruhiger. Das Gespräch im Auto fällt öfter aus. Es hat ja schon im Meeting stattgefunden.

Hinweis: Diese Szene gibt es so nicht. Sie ist aus mehreren Beratungsverläufen zusammengesetzt, der Name ist erfunden – keine reale Person, kein realer Fall.

Und jetzt?

Du sitzt zwischen den Stühlen und hast deinen eigenen noch nicht gefunden? Dann lass uns die Stühle aufstellen.

Ich bin systemische Beraterin und Coachin in Radebeul bei Dresden. Ich habe selbst viele Jahre Teams in der Softwareentwicklung geleitet und begleite heute Teams und Führungskräfte durch Veränderung. Ich kenne beide Seiten des Tisches. Im Coaching für Führungskräfte stelle ich die Fragen, die im Meeting niemand stellt.

Im Kennenlerngespräch (30 Minuten, kostenlos) klären wir, worum es bei dir geht und ob wir gut zusammenpassen.

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