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Alles gleichzeitig? Mit dem Lebensrad sortieren, was zuerst dran ist

Arbeit, Familie, Kopf. Du funktionierst tadellos und kommst trotzdem nirgends an. Wie das Lebensrad zeigt, was zuerst dran ist.

Anlass: Alles gleichzeitigMethode: LebensradLesezeit: 5 Minuten

Job, Familie, Kopf: alles gleichzeitig

Dienstag, 21:40 Uhr. Bei Katrin läuft die Spülmaschine. Der Laptop ist wieder auf. Noch schnell die Mail an die Abteilungsleitung, dann der Elternbrief, dann die Präsentation für Donnerstag. Die Wäsche hängt seit Sonntag im Flur. Längst trocken, aber sie bleibt hängen.

Im Job läuft es. Das Feedback lautet: zuverlässig, belastbar, immer ansprechbar. Zu Hause läuft es auch. Die Kinder haben Brotdosen, der Kühlschrank ist voll, der Zahnarzttermin steht im Kalender. Von außen sieht das nach einem Leben aus, das sie im Griff hat.

Von innen fühlt es sich an wie ein Laufband. Schnell, gleichmäßig, ohne Ziel. Abends liegt sie wach, und der Kopf macht Inventur: Was ist liegen geblieben? Wen habe ich vergessen? Wann habe ich zuletzt etwas gemacht, nur weil ich Lust darauf hatte?

Die Antwort fällt ihr nicht ein. Das ist die eigentliche Antwort.

Was dahintersteckt

Wer mit „alles gleichzeitig“ zu mir kommt, hat selten ein Organisationsproblem. Die meisten organisieren hervorragend. Sie haben Listen, Kalender, drei Apps und einen Familienplaner am Kühlschrank. Das Problem ist nicht, wie die Aufgaben erledigt werden. Das Problem ist, wie sie reinkommen.

Drei Muster begegnen mir immer wieder.

Das Ja kommt vor der Frage

Eine Anfrage kommt rein, das Ja ist schon draußen. Kein böser Wille, ein Reflex. Wer zuverlässig ist, wird gefragt. Wer gefragt wird, sagt zu. Wer zusagt, wird wieder gefragt. Ein Kreislauf mit sehr freundlicher Oberfläche. Am Ende stehen Aufgaben, die in keinem Plan auftauchen, aber jeden Abend auffressen.

Der Kopf ist laut, der Bauch ist leise

Der Körper meldet sich früh. Enger Brustkorb, flacher Atem, das Ziehen im Magen am Sonntagabend. Der Kopf hat dafür keine Zeit. Er hat eine Liste. Viele merken erst, wie voll es war, wenn der Körper nicht mehr mitspielt.

Das Ziel hat zehn Unterziele

Frage ich „Was willst du?“, kommt selten ein Satz. Es kommt ein Absatz. Mehr Zeit für die Familie, endlich Sport, den Job besser im Griff, weniger Handy, mehr Schlaf, die Weiterbildung anfangen, Freundschaften pflegen. Alles richtig. Alles gleichzeitig. Genau da sitzt der Knoten.

Ich komme aus der Softwareentwicklung. Dort heißt so eine Liste Backlog, und alle wissen: Wer alles gleichzeitig anfängt, liefert nichts. Im eigenen Leben vergessen wir das gern.

Die Methode: das Lebensrad

Wenn jemand diffus erzählt und es „irgendwie nicht läuft“, hole ich das Lebensrad raus. Eine einfache Zeichnung mit großer Wirkung. Sie zeigt auf einem Blatt, wo dein Leben gerade Luft hat und wo es eng wird.

So läuft es ab

1. Das Rad aufzeichnen. Ein Kreis, acht Segmente. Jedes Segment steht für einen Lebensbereich:

  • Gesundheit
  • Persönliches Umfeld
  • Karriere und Beruf
  • Beziehungen und Partnerschaft
  • Persönliches Wachstum
  • Finanzen
  • Kreativität
  • Freizeit

Die Bereiche sind nicht in Stein gemeißelt. Fehlt dir etwas, etwa Spiritualität oder emotionales Wohlbefinden, tauschen wir. Es ist dein Rad.

2. Ausmalen. Für jeden Bereich malst du aus, wie zufrieden du gerade bist. Die Mitte steht für null, der Rand für zehn. Nicht lange grübeln. Der erste Impuls stimmt meistens.

3. Draufschauen. Jetzt liegt da kein Kreis mehr, sondern eine Form. Bei manchen sieht sie aus wie ein Seestern. Bei anderen wie ein Reifen mit Platten. Mit so einem Rad rollt nichts rund. Das ist kein Vorwurf, das ist Physik.

Beispiel eines ausgefüllten Lebensrads: Karriere und Beruf bei 9 von 10, Freizeit und Kreativität bei 2 von 10

Beispiel: Der Job läuft auf 9, Freizeit und Kreativität dümpeln bei 2. Ein Rad mit Platten.

4. Mit dem Guten anfangen. Wir sprechen zuerst über die Bereiche mit den höchsten Werten. Nicht aus Höflichkeit. Dort steckt das Wissen, wie es geht. „Wie kommt es, dass es hier so gut läuft? Was machst du dort anders?“ Oft liegt die Lösung für den schwachen Bereich schon in einem starken. Wer im Job klare Grenzen zieht, kann das auch zu Hause – es hat dort nur noch niemand ausprobiert.

5. Dann zum Engpass. Jetzt die niedrigen Werte. Ich frage nicht „Was läuft schief?“, sondern „Woran wollen wir arbeiten? Wovon willst du mehr?“ Dabei behalten wir die Balance im Blick. Ein Bereich, der alle Aufmerksamkeit frisst, lässt die anderen verhungern. Häufig ist der Bereich mit der Zehn genau der, der den Rest leer saugt.

6. Einen Bereich wählen. Einen. Der schwerste Schritt. Du suchst den Bereich aus, der jetzt zuerst dran ist. Dafür sammeln wir konkrete Ideen und finden einen ersten Schritt, der in die nächste Woche passt.

Dauer: eine Sitzung. Material: Papier und Stifte. Mehr braucht es nicht.

Du willst vorab selbst draufschauen? Hier ist die Vorlage zum Ausdrucken: Lebensrad-Vorlage herunterladen (PDF). Das Ausmalen schaffst du allein. Beim Draufschauen hilft ein zweiter Blick.

Was danach anders ist

Die Wäsche hängt danach immer noch im Flur. Das Lebensrad räumt nicht auf. Es zeigt, wo.

Drei Dinge ändern sich trotzdem.

Du hast ein Bild statt eines Rauschens. Das Durcheinander im Kopf liegt jetzt auf dem Tisch. Ein Bild lässt sich anschauen, besprechen, verändern. Ein Rauschen nicht.

Du hast eine Reihenfolge. Nicht zehn Ziele, sondern eins, das zuerst kommt. Die anderen sind nicht gestrichen. Sie warten. Das ist ein großer Unterschied, und er fühlt sich auch so an.

Du merkst das Ja früher. Wer weiß, welcher Bereich gerade Vorrang hat, prüft neue Anfragen anders. Nicht jede verdient sofort eine Zusage. Manchmal reicht ein Satz: „Ich melde mich morgen dazu.“ Zwischen Anfrage und Antwort entsteht eine kleine Pause. In dieser Pause beginnt die Ordnung.

Das Gefühl danach ist selten ein Feuerwerk. Eher ein Durchatmen. Zum ersten Mal seit Wochen richtig tief.

Hinweis: Diese Szene gibt es so nicht. Sie ist aus vielen Coachingverläufen zusammengesetzt, der Name ist erfunden – keine reale Person, kein realer Fall.

Und jetzt?

Du kennst das Laufband? Dann lass uns sortieren.

Ich bin systemische Beraterin und Coachin in Radebeul bei Dresden. Sortieren ist mein Handwerk: Erst schauen wir, was alles auf dem Tisch liegt, dann, was davon zuerst dran ist. Ich frage nach, bis es konkret wird. Und ich bremse, wenn Tempo das eigentliche Problem ist.

Im Kennenlerngespräch (30 Minuten, kostenlos) klären wir, wo es bei dir hakt und ob wir gut zusammenpassen.

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