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Ich mache es allen recht. Nur mir nicht. Konflikt am Arbeitsplatz klären – mit Bodenankern

Eine Kollegin, mit der es seit Jahren knirscht. Ein Chef, bei dem du dich klein fühlst. Wie Bodenanker zeigen, wer wo steht und was du beeinflussen kannst.

Anlass: Wenn es im Job haktMethode: Bodenanker mit kataleptischer HandLesezeit: 6 Minuten

Konflikt am Arbeitsplatz: das schnelle Ja kurz vor Feierabend

Donnerstag, 16:52 Uhr. Miriams Jacke hängt schon über der Stuhllehne. Der Rechner fährt runter. Da steht der Kollege in der Tür. „Du, ganz kurz. Kannst du da noch mal drüberschauen? Ist nicht viel. Bis morgen früh reicht.“

Es ist nie viel. Es ist auch nie das erste Mal.

Miriam sagt: „Klar.“ Das Wort ist draußen, bevor sie nachgedacht hat. Er sagt „Du bist die Beste“ und ist weg. Den Rechner fährt sie wieder hoch.

Um 19:30 Uhr ist sie fertig. Mit der Aufgabe. Nicht mit dem Ärger. Der kommt erst jetzt, auf dem Heimweg, mit voller Wucht. Im Kopf formuliert sie drei Mails an ihn. Eine davon ist sehr unhöflich. Abgeschickt wird keine.

Am nächsten Morgen fragt er, wie es läuft. Miriam lächelt. „Alles gut.“

Was dahintersteckt

Ein Konflikt am Arbeitsplatz sieht von außen oft gar nicht aus wie ein Konflikt. Kein Streit, keine Tür, die knallt. Nur eine, die immer Ja sagt, und einer, der sich daran gewöhnt hat. Drei Muster begegnen mir dabei immer wieder.

Harmonie hat einen Preis

„Mach es allen recht“ ist ein starker innerer Antreiber. Er hat dich lange gut durchs Leben gebracht. Du giltst als hilfsbereit, verlässlich, unkompliziert. Das Problem: Der Antreiber kennt kein Ende. Jedes Ja macht das nächste Ja wahrscheinlicher. Und irgendwann bezahlt jemand die Rechnung. Meistens du, abends um halb acht.

Spannend ist, was passiert, wenn ich in der Beratung einen Satz anbiete wie „Ich darf Nein sagen“. Viele merken sofort: Schon der Satz macht Stress. Er fühlt sich an wie ein Regelverstoß. Genau da lohnt sich das Hinschauen.

Die Wut nimmt den späten Zug

Im Moment selbst ist alles ruhig. Die Wut kommt später. Im Auto, unter der Dusche, nachts um drei. Dann ist sie klar und schlagfertig. Nur hört sie dort niemand. Der Kollege hat von alldem nichts mitbekommen. Für ihn ist die Welt in Ordnung. Du hast ja Ja gesagt.

Dein Körper weicht zuerst aus

Bevor der Kopf entscheidet, hat der Körper schon reagiert. Die Schultern gehen ein Stück nach vorn. Die Stimme wird höher. Der Atem flacher. Manche merken ein Ziehen in der Brust, andere reden plötzlich doppelt so schnell. Das ist kein Charakterfehler. Das ist ein Muster, oft jahrzehntelang trainiert. Und Muster lassen sich nicht wegdenken. Sie lassen sich aber erleben, anschauen und verändern.

Deshalb arbeite ich in der systemischen Beratung und im Coaching bei solchen Konflikten gern im Raum statt nur im Gespräch.

Die Methode: Bodenanker mit der kataleptischen Hand

Bodenanker sind Karten auf dem Boden. Jede steht für eine Person oder einen Teil der Situation. Du stellst dich auf die Karten und spürst, wie es sich dort anfühlt. Klingt simpel. Wirkt aber oft stärker als stundenlanges Reden, weil der Körper mitreden darf.

Die kataleptische Hand ist ein kleiner Trick mit großer Wirkung. Zu einer Karte am Boden zu sprechen fühlt sich komisch an. Wer nach unten schaut, macht sich klein. Deshalb halte ich meine Hand locker über die Karte deines Gegenübers, auf Augenhöhe. Sie wird für einen Moment zu der Person, mit der du sprichst.

So läuft es ab

1. Anliegen klären. Um welche Beziehung geht es? In unserer Szene: um den Kollegen in der Tür. Wir legen außerdem einen Platz außerhalb fest, die Metaposition. Von dort schaust du später von außen auf das Bild.

2. Karten legen. Du schreibst eine Karte für dich und eine für ihn. Dann legst du sie dorthin, wo es sich richtig anfühlt. Ohne Nachdenken. Manche legen ihre eigene Karte erstaunlich nah an die Tür. Andere ganz an den Rand.

3. Hineinspüren. Du stellst dich auf deine Karte. Was spürst du? Wo im Körper? Dann wechselst du über die Metaposition auf seine Karte. Wie sieht die Welt von dort aus? Oft ist das der erste überraschende Moment: Von seiner Seite ist es bequem. Und ziemlich ahnungslos.

4. Zueinander drehen. Ihr steht euch gegenüber. Jetzt geht es um die Beziehung, nicht um die Aufgabe.

5. Den richtigen Abstand finden. Ist das zu nah? Zu weit? Du gehst einen Schritt vor, einen zurück, bis es stimmt. Viele merken hier zum ersten Mal, dass sie ein Recht auf Abstand haben. Und dass Abstand nicht unhöflich ist.

6. Sprechen. Du stehst auf deiner Karte. Ich halte die Hand über seine Karte. „Diese Hand ist jetzt dein Kollege. Was sagst du ihm?“ Ich schlage Sätze vor, du prüfst und änderst sie, bis sie deine sind. Zum Beispiel:

  • „Ich bin …, deine Kollegin.“
  • „Wenn du um kurz vor fünf mit einer Aufgabe kommst, sage ich Ja. Und danach ärgere ich mich.“
  • „Ich wünsche mir, dass du mich früher fragst. Und dass ein Nein von mir in Ordnung ist.“

Skizze: Die Klientin steht auf ihrer Karte, die Karte des Kollegen liegt in passendem Abstand, die Coachin hält ihre Hand auf Augenhöhe darüber

Erst den Abstand finden, dann sprechen. Die Hand auf Augenhöhe wird zum Gegenüber.

7. Hören, wie es ankommt. Du wechselst über die Metaposition auf seine Karte. Ich spreche deine Sätze stellvertretend aus. Wie kommen sie an? Oft entsteht eine Antwort. Manchmal eine, mit der du nicht gerechnet hast: „Ich dachte, das macht dir nichts aus.“

8. Antworten, wenn es nötig ist. Entsteht eine Antwort, gehst du zurück auf deine Karte und reagierst darauf. Wichtig: Wir sammeln die Botschaften und geben sie gebündelt weiter. Ein endloses Hin und Her bringt nichts. Das kennst du ja schon aus dem echten Leben.

9. Abschließen. Du beendest die Übung auf deiner eigenen Karte, in einer guten Position. Dann gehst du auf die Metaposition und schaust auf das Bild. Was nimmst du mit? Am Ende räumen wir die Karten bewusst weg.

Dauer: etwa 30 bis 45 Minuten. Material: ein paar Karten, ein Stift, etwas Platz.

Was danach anders ist

Der Satz war schon mal draußen. Du hast ihn ausgesprochen, laut, an die richtige Adresse. Auch wenn es nur eine Hand über einer Karte war: Der Körper merkt sich das. Beim nächsten Mal ist der Satz nicht mehr neu.

Du merkst das Ja früher. Du spürst den Moment, in dem die Schultern nach vorn gehen. Und dazwischen entsteht eine kleine Pause. Mehr braucht es oft nicht. „Ich schaue morgen früh, ob ich das schaffe“ ist auch eine Antwort.

Du kennst deinen Abstand. Du weißt jetzt, wie nah sich gut anfühlt. Das hilft im Büro mehr als jede Kommunikationsregel.

Das Gespräch fällt leichter. Viele führen nach der Beratung das echte Gespräch. Nicht perfekt, aber ruhiger. Weil sie nicht mehr mit der gesammelten Wut von drei Monaten hineingehen. Und manchmal merkt der Kollege dann zum ersten Mal, dass da eine Grenze war.

Das Muster ist danach nicht verschwunden. Es meldet sich weiter. Aber es entscheidet nicht mehr allein.

Hinweis: Diese Szene gibt es so nicht. Sie ist aus mehreren Beratungsverläufen zusammengesetzt, der Name ist erfunden – keine reale Person, kein realer Fall.

Und jetzt?

Du sagst Ja und ärgerst dich hinterher? Dann lass uns anschauen, wo dein Abstand liegt.

Ich bin systemische Beraterin und Coachin in Radebeul bei Dresden. Ich arbeite gern mit dem, was im Raum passiert, nicht nur mit dem, was gesagt wird. Ich frage nach, wo andere höflich weiterreden. Und ich halte die Pause, wenn du sie noch nicht halten kannst.

Im Kennenlerngespräch (30 Minuten, kostenlos) klären wir, worum es bei dir geht und ob wir gut zusammenpassen.

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